Poetry Slam

Was ist Poetry Slam?

„Slam is the lighthouse for the democratization of art.“ – Bob Holman

Literatur als Sport

Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit auf offener Bühne. Bis zu ein Dutzend Poetinnen und Poeten teilen sich einen Abend und tragen nacheinander eigene Texte vor – so laut und schnell wie nötig, so leise und genau wie möglich. Gewertet wird nicht von einer Fachjury, sondern vom Publikum: entweder kollektiv über die Lautstärke des Applauses oder durch ausgeloste Publikumsjurorinnen und -juroren.

Das macht den Abend spannend wie ein Sportereignis, ohne dass die Literatur dabei zur Nebensache wird. Der Wettbewerb ist Dramaturgie, nicht Zweck: Er gibt dem Abend einen Bogen – vom „Opferlamm“, das die Bühne eröffnet, über die Vorrunden bis ins Finale.

Kein Vorlesen, sondern Vortragen

Slam geht vom gesprochenen Wort aus. Texte werden für die Bühne geschrieben, nicht für die Schublade – und sie sind, entgegen einem hartnäckigen Gerücht, nie improvisiert. Slammerinnen und Slammer sind Dichterinnen und Dichter, keine Improvisationskünstler.

Alles darf, nichts muss

Von zerbrechlicher Lyrik über Rap und Spoken Word bis zur pointierten Kürzestgeschichte findet sich auf unseren Bühnen jede Form. Das Prinzip ist einfach: Was das Publikum überzeugt, kommt weiter. Erzählt wird über das, was den Autorinnen und Autoren wirklich begegnet – und genau deshalb spiegeln Slamtexte ihre Zeit so genau wider wie kaum ein anderes Genre.

Slamily

Erfunden hat das Format Mitte der 1980er-Jahre der Amerikaner Marc Kelly Smith in Chicago, in der Szene liebevoll „Slampapi“ genannt. Der wichtigste Begriff des Slams ist bis heute kein literarischer, sondern ein sozialer: die Slamily – die Familie aus Auftretenden, Veranstaltenden und Publikum. Die meisten reisen nicht des Geldes wegen quer durchs Land, sondern wegen der Menschen, mit denen sie die Freude an der Sprache teilen.